1Dies ist das Buch der Worte der Gerechtigkeit und des Verweises der ewigen Wächter, wie der große Heilige in jenem Gesicht befohlen hatte.
2Ich sah in meinem Schlaf, was ich jetzt mit Fleischeszunge und mit meines Mundes Odem erzählen will; diesen verlieh Gott den Menschen, daß sie damit reden und es mit den Herzen verstehen sollen.
3Wie Er die Menschen schuf und ihnen die Gabe verlieh, weise Worte zu verstehen, so hat er auch mich geschaffen und mir die Aufgabe übertragen, die Wächter, die Himmelssöhne, zu rügen.
4Ich hatte eure Bitte aufgeschrieben; aber in meinem Gesichte wurde mir gezeigt, daß eure Bitte nimmermehr erfüllt wird, daß vielmehr das Urteil endgültig über euch gefällt ist und daß euch nichts gewährt wird.
5Fortan werdet ihr nimmermehr in den Himmel hinaufsteigen; vielmehr ist befohlen, euch auf Erden für alle Zeiten zu fesseln.
6Zuvor aber müßt ihr die Vernichtung eurer geliebten Söhne ansehen. Keiner von ihnen bleibt übrig; sie fallen vielmehr vor euren Augen durch das Schwert.
7Euer Bittgesuch für sie wird nicht angenommen werden noch das für euch selber, möget ihr auch weinen und beten, und alle Worte in der von mir verfaßten Schrift vortragen.
8Mir ward im Gesichte folgende Erscheinung zuteil: Wolken luden mich im Gesichte ein, und ein Nebel forderte mich auf; der Lauf der Sterne und der Blitze trieb und drängte mich, und Winde gaben mir Flügel und hoben mich empor in jenem Gesicht. Sie trugen mich in den Himmel.
9Ich ging hinein, bis ich mich einer Mauer näherte, die aus Kristall gebaut und von Feuerzungen umgeben war; sie begann, mir Furcht einzuflößen.
10Ich trat in die Feuerzungen hinein und näherte mich einem großen, aus Kristall erbauten Haus. Die Hauswände glichen einem mit Kristall eingelegten Fußboden; sein Unterbau war von Kristall.
11Seine Decke glich der Bahn der Sterne und der Blitze, dazwischen feurige Kerube; ihr Himmel war so klar wie Wasser.
12Ein Flammenmeer umgab seine Wände und seine Türen brannten von Feuer.
13Und ich trat in jenes Haus, das heiß wie Feuer und kalt wie Schnee war; darin war keinerlei Annehmlichkeit vorhanden; mich umwehte Furcht, und Zittern packte mich.
14Ich ward erschüttert, und zitternd fiel ich auf mein Angesicht; da schaute ich im Gesichte folgendes:
15Da stand ein anderes Haus, noch größer als das erste; alle seine Türen standen vor mir es war aus Feuerzungen gebaut.
16In jeder Weise zeichnete es sich durch Herrlichkeit, Pracht und Größe so aus, daß ich euch keine Beschreibung seiner Herrlichkeit und Größe geben kann.
17Sein Boden bestand aus Feuer; seine obern Teile bildeten Blitze und Sternenbahnen, und seine Decke war loderndes Feuer.
18Ich schaute hin und sah darin einen hohen Thron. Sein Aussehen war wie Reif, und die Räder daran glichen der leuchtenden Sonne; das war das Gesicht der Kerube.
19Unterhalb des Thrones kamen Ströme lodernden Feuers hervor; ich konnte nicht hinsehen.
20Die große Herrlichkeit saß darauf; sein Gewand war glänzender als die Sonne und weißer als Schnee.
21Keiner der Engel konnte eintreten; noch vermochte er, Sein Antlitz vor Herrlichkeit und Majestät zu schauen. Kein Fleisch konnte ihn anschauen.
22Loderndes Feuer war rings um ihn; ein großes Feuer stand vor ihm und niemand ringsum konnte sich ihm nähern. Rings im Kreise standen zehntausendmal Zehntausende vor ihm; er aber bedurfte keines Beraters.
23Die Heiligsten, die in seiner Nähe stehen, entfernen sich nicht bei Nacht und nicht bei Tag; noch gehen sie sonst von ihm weg.
24Bis dahin lag ich auf meinem Angesicht und zitterte. Da rief mich der Herr mit seinem eigenen Mund und sprach zu mir: Komm hieher, Henoch! Vernimm mein Wort!
25Da kam einer der Heiligen zu mir und weckte mich auf; dann ließ er mich aufstehen und brachte mich bis zu dem Tor; ich aber senkte mein Angesicht nieder.